14. Oktober 2011
IHK-Reihe „Blickpunkt Energie”
Energieeffizienz: Mitarbeiter sensibilisieren – Energiekosten
Welche Rolle spielt eine starke Energiewirtschaft für den Erfolg des
Strukturwandels in Sachsen-Anhalt und im mitteldeutschen Raum? Wohin laufen energiepolitische Entwicklungen, welche Auswirkungen haben die auf Wirtschaftsstandort, Versorgungssicherheit und Entwicklung der Energiekosten im IHK-Bezirk? Mit diesen Fragen beschäftigt sich in den kommenden Ausgaben die Serie „Blickpunkt Energie”. Heute: smart energy with smart people – ein Projekt rückt Energieeffizienz in den Fokus von Unternehmen.
Nach der Atomkatastrophe in Japan stehen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft scheinbar vor einer Quadratur des Kreises: Wie lässt sich ein beschleunigter Atomausstieg verbinden mit zukünftiger Energiesicherheit und ihrer Bezahlbarkeit in einem hoch industrialisierten Land wie Deutschland? Ein wichtiger Baustein für eine praktikable Antwort ist Energieeffizienz. Denn Energie, die gespart wird, muss nicht erzeugt oder gekauft werden. Schon in ihrem Energiekonzept vom Herbst letzten Jahres misst die Bundesregierung diesem Aspekt eine hohe Priorität bei. Für Firmen und Betriebe hatte dies bisher allerdings oft weniger Bedeutung. Gründe dafür sind vor allem die vermeintlich hohen Kosten für Energieeffizienzmaßnahmen. Praxistests zeigen jedoch: Viele solcher Investitionen lohnen sich schon nach kurzer Zeit. Außerdem stärken sie die Wirtschafts- und Innovationskraft der Unternehmen und schaffen zudem Wettbewerbsvorteile wie Imagegewinn oder Kosteneinsparungen.
Der Weg zur Energieeffizienz – Interessieren ist das A und O
Diese Botschaft vermittelt das Projekt „smart energy with smart people” seit 29. November 2008 erfolgreich in Sachsen-Anhalt. Initiiert wurde es von der bildungszentrum energie GmbH (bze) und der Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH (isw). Ihr Ziel: Interessierten Unternehmen Wege zum energieeffizienten Betrieb ebnen. Dabei gelangen zwei Bereiche in den Fokus. Im Vordergrund steht das Sensibilisieren und Qualifizieren von Mitarbeitern. Daneben geht es um einen praktischen Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, begleitet von den hiesigen Hochschulen und Universitäten. Gemeinsam werden in jedem einzelnen Fall Bedarfe konkret ermittelt, Defizite aufgedeckt und Lösungswege aufgezeigt. Anfangs fehlt es oft an Informationen zum eigenen Energieverbrauch, Anlagen sind falsch dimensioniert oder es mangelt an Investitionsbereitschaft in energieeffiziente Anlagen und Gebäude trotz verfügbarer Mittel. „Wir setzen mit ‚smart energy with smart people‘ verstärkt auf Sensibilisierungs- und Qualifizierungsarbeit. Denn: Um Verhaltensänderungen im Unternehmen hervorzurufen, muss vor allem erst interessiert werden. Dann fallen die Informationen auch auf fruchtbaren Boden. Das gilt für Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen”, ist bze Projektleiterin Bärbel Stoye überzeugt.
Neues Denken fördert Wirtschaftlichkeit
Derzeit arbeiten zwölf Unternehmen in Modellprojekten, unter anderem die Spicher GmbH in Halle (Saale), die AW-technic GmbH in Brehna oder die Weißenfelser Argenta Schokoladenmanufaktur GmbH, im Projekt bereits daran, energieeffiziente Lösungen umzusetzen. Grundlage dafür war neben den oben genannten Aspekten eine ausführliche Analyse der Energieversorgung, des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Kosten. Durchgeführt von Experten aus den Hochschulen und Universitäten Sachsen-Anhalts, die zugleich Lösungsvorschläge erarbeiteten und die Umsetzung beratend begleiten. Ein hausinterner Prozessbegleiter für Energieeffizienz hat zudem zukünftig den effizienten Umgang mit Energie im Blick. Schokoladenmanufaktur GmbH investierte beispielsweise in umfassende Dämm- und Isolationsmaßnahmen für Tanks, Rohrleitungen und Fenster. Geplant ist außerdem der Einbau eines Systems zur Energierückgewinnung. Dazu soll die bisher produzierte, aber nicht verwendete Abwärme genutzt werden. Geringere Jahresabrechnungen sowie niedrigere Temperaturen in den Arbeitsräumen sind die verfolgten Ziele. Insgesamt 40.000 bis 50.000 Euro nimmt Argenta dafür in die Hand. „Der rationale Umgang mit Energie hat für uns an Priorität gewonnen. Immerhin wollen und müssen wir wirtschaftlich arbeiten. Energieeffizienz kann dazu beitragen”, erklärt Stephan Feyerabend, Energiebeauftragter und Werksleiter der Argenta Schokoladenmanufaktur. Dem stimmt auch Ingrid Weber, Mitgesellschafterin der AW-technic GmbH zu: „Wir arbeiten in einer sehr energielastigen Branche. Deshalb war es für uns wichtig, herauszufinden, wo Defizite bezüglich Energieeffizienz liegen und wie wir sie abbauen können. Wir möchten energiesparend arbeiten, um die Umweltbelastung zu vermindern und natürlich auch eigene Kosten zu reduzieren.” Das Unternehmen für Karosserieinstandhaltungs- und Lackierarbeiten setzt dabei auf einen Mix aus kontinuierlichem Sensibilisieren der Mitarbeiter, dem Umrüsten der Anlagentechnik sowie einem System zur Energierückgewinnung. Allein die Wärmerückgewinnung soll 25 Prozent Heizölkosten im Jahr einsparen. Rund 20.000 Euro wird in diese Energieeffizienzmaßnahmen investiert. Weitere Investitionen sind in Planung. Beide Betriebe, die Argenta Schokoladenmanufaktur GmbH wie die AW-technic GmbH, gehen davon aus, dass sich ihre Ausgaben nach rund fünf Jahren rechnen.
Dabei sind die Bedarfe der Unternehmen sehr unterschiedlich. Die Argenta
Für die Spicher GmbH erwies sich die Beteiligung an „smart energy with smart people” auf andere Art und Weise als sinnvoll. Das Unternehmen, das sich um Planung, Projektierung und Installation von elektronischen Anlagen und Sicherheitstechnik sowie Gebäudeleittechnik kümmert, nutzte das Projekt, um sein Leistungsspektrum zu erweitern. Mit dem Ziel, neue technische Systeme zu entwickeln, die Energieeffizienz im Gebäudemanagement verankern. Dazu arbeitet auch die Spicher GmbH eng mit der hiesigen Hochschullandschaft zusammen. „Wir möchten unseren Kunden optimale Lösungen zur Energieeffizienz bieten. Immerhin können Firmen mindestens 13 bis 18 Prozent ihrer Grundlasten einsparen – ein rationaler Umgang mit Energie vorausgesetzt. ‚smart energy with smart people‘ bot uns die Möglichkeit, im komplexen Rahmen unser Leistungsangebot zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Dafür haben wir in neue Messtechnik und Auswertungssoftware investiert. Unsere Ausgaben lagen zwischen 60.000 und 80.000 Euro. Diese Investition rechnet sich, denn immer mehr Kunden setzen auf eine energieeffiziente Lösung im gesamten Gebäudemanagement”, weiß Geschäftsführer Jürgen Spicher.
Nachhaltigkeit ist das oberste Gebot
Im Oktober 2011 endet das aus den Mitteln des europäischen Sozialfonds und dem Land Sachsen-Anhalt geförderte Projekt „smart enery with smart people”. Doch schon heute arbeiten bze und isw an nachhaltigen Konzepten, die über das Projekt hinausgehen. So eröffnete Ende Mai 2011 an der Fachhochschule Merseburg ein Kompetenzzentrum. Dort laufen Energiedaten einzelner aufgeschalteter Unternehmen zusammen, die Studenten unter Anleitung eines Ingenieurs auswerten. Die Ergebnisse bilden einerseits die Grundlage für passende Lösungsvorschläge. Andererseits hilft die Analyse, das Unternehmen kontinuierlich auf seine Energieeffizienz zu prüfen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Bärbel Stoye hat noch ein weiteres Ass im Ärmel: „Wir wollen Energieeffizienz Prozessen im Unternehmen eine völlig neue Qualität geben. Deshalb entwickeln wir in Abstimmung mit den Kammern IHK und HWK ein Qualifizierungsprogramm zum Prozessbegleiter in Sachen Energieeffizienz. Anders als Energieberater, die im Normalfall als externe Fachleute nur punktuell mit Unternehmen kooperieren, wird über die Weiterbildung eine Person im Unternehmen befähigt, Energieeffizienz ganzheitlich zu managen. Ein Curriculum ist derzeit in Arbeit.”Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Energieeffizienz in sachsen-anhaltinischen Unternehmen.